Die Auszeichnung als Kulturhauptstadt für Chemnitz setzt hohe Erwartungen: Als wohlhabende Industriestadt zählte Chemnitz vor dem 2. Weltkrieg zu einer der reichsten Städte Deutschlands und erfuhr nach Kriegsende mehrere Brüche und Transformationen. Erst musste sich die Stadt von den massiven Kriegsschäden erholen – 80% von waren zerstört - dann folgte nach der Wende die Deindustrialisierung und mit ihr gingen 50.000 Menschen. Seitdem wird Chemnitz schnell mit leeren Strassen, verlassener Industriearchitektur, sozialistischem Plattenbau assoziiert – und spätestens durch die rechtsradikalen Pogrome 2018 auf ostdeutsche Stigmata reduziert.
Das Chemnitz hinter diesen Verkürzungen zu erkennen - „See the Unseen“ – darum geht es beim Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz. Und vor allem geht es darum, die einstige Musterstadt der Ostmoderne (wieder) zu entdecken, neu zu definieren und ihre Potentiale zu beleben. Um diese gerne übersehenen Potentiale und Vorzüge von Chemnitz weiss auch Jan Kummer - er ist Bildender Künstler und Musiker, war Teil der Avantgarde Musikgruppe AG Geige und ist heute Mitbetreiber des Chemnitzer Club- und Kulturorts Atomino. Wir haben ihm am Rande der Kulturhauptstadt-Eröffnung getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie er die Stadt nach den 90ern erlebte, warum die Auszeichnung für Chemnitz und die Region so wichtig ist und wie das zementierte Klischee der „Nazistadt“ das Leben dahinter verdeckt.
Jan Kummer über die Kulturhauptstadt Chemnitz 2025, Anarchie nach der Wende, ungesehene Potentiale und den Umgang mit Rechtsradikalismus
Letztes Wochenende wurde das Jahr der Kulturhauptstadt Chemnitz mit grossem Programm in der ganzen Stadt feierlich eröffnet – zehntausende Menschen waren auf den Strassen unterwegs.

Autor: Tagesaktuelle Redaktion
Radio: corax Datum: 22.01.2025
Länge: 16:54 min. Bitrate: 320 kbit/s
Auflösung: Stereo (48000 kHz)
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