UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Angst essen Seele auf: Die soziale Unterdrückung und Ausgrenzung von „Gastarbeitern“

8918

Die soziale Unterdrückung und Ausgrenzung von „Gastarbeitern“ Angst essen Seele auf ...

users-677583-70

Gesellschaft

Und den Verstand gleich mit, mag sich Rainer Werner Fassbinders vor 50 Jahren gesagt haben.

Gastarbeiter brachten das italienische Eis. Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Gastarbeiter brachten das italienische Eis. Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte. Foto: Amrei-Marie (CC-BY-SA 4.0 cropped)

Datum 20. Februar 2025
3
0
Lesezeit2 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Sein Melodram macht die soziale Unterdrückung und Ausgrenzung von „Gastarbeitern“ (so hiess das wirklich) zum Thema, wurde hundertfach ausgezeichnet, verfehlte aber ganz offenkundig seine Wirkung: Ausländer raus. Ausländerinnen auch? Ja. Zuerst die Messerstecher. Wir brauchen Platz für unsere deutschen Kriminellen.

Offen bleibt, ob es wirklich gesund ist - fürs Volkswohl - wenn in der deutschen Nationalmannschaft fast jedes dritte Tor von einem Ausländer geschossen wird – ein deutscher Pass. 47% der AfD-Fans glauben, es würde auch mehr Endsiege geben, wenn man mehr deutsches Blut auf den Fussballfeldern einsetzte. Unter den BSW-Anhängern sind es gerade mal 38 Prozent! Beide Fangruppen vergessen: Es ist viel zu spät, denn es gibt keine Deutschen ohne Migrationshintergrund. Sie wissen schon:

Sibirien, Afrika – da kommen wir her. Tut mir leid für Sie – aber schon die schwarze Rita Süssmuth warnte uns: Vergesst nicht, woher ihr kommt, hütet euch vor Rattenfängern, habt habt keine Angst (und ich sag: Nicht mal vor'm Elfmeter!)

„Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“, muss man mit Blick auf die USA mit Rita Süssmuth fordern (Ein Brief an die Enkel, 2020). Der liberale Gerhart Baum, einer ihrer Zeitgenossen, ist am 15. Februar 2025 gestorben. In einem Vorwort zur Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ schrieb er: „Freiheitsrechte sind Ausdruck der unantastbaren Menschenwürde und nicht vom Staat gnädig gewährte Privilegien, die zur beliebigen Disposition stehen.

Menschenrechte mussten erkämpft werden gegen die Machtinteressen und Beharrungskräfte, unter grossen Opfern und gegen den heftigen Widerstand der Herrschenden, der Kirchen, des Adels.“

Ich würde gerne wissen, was in den Geschichtsbüchern künftiger Generationen zu lesen sein wird über die Fortschritte der Menschenrechte, wenn das autoritäre Herrschaftssystem der Trumpisten die USA und die Welt auf den Kopf stellt. Läutet da, wenn „die da“ und wir nicht aufpassen und aufstehen, leise noch und von Ferne, ein Totenglöcklein für die Republiken der Demokraten?

Ein Grundstein demokratischer Verfassungen war im Kontext der französischen Revolution die Proklamation der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 in den Vereinigten Staaten, die die wichtigsten Grundrechte ihrer Zeit in siebzehn Artikeln festschrieb. „Aber soo feste nu ooch wieder nich“, würde meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen.

Peter Grohmann