UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Max Manus

8821

Max Manus Widerstand in Norwegen

film-677583-70

Kultur

Der Film "Max Manus" zeigt die permanente Getriebenheit von Widerstandskämpfern, hervorgerufen durch das enorme Risiko ihrer Festnahme und Ermordung, und gerade hier ist der Streifen akkurat und ehrlich.

Dreharbeiten zu Max Manus in Oslo 2008.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Dreharbeiten zu Max Manus in Oslo 2008. Foto: Jeblad (CC-BY-SA 3.0 unported - cropped)

Datum 31. März 2025
1
0
Lesezeit6 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Max Manus (1914-1996) – ein in Deutschland weitgehend unbekannter Name. In Norwegen ist dieser Mann auch heute noch ein Nationalheld. Manus gehörte dem norwegischen Widerstand ab der Besetzung des Landes durch die faschistischen Okkupationstruppen im Frühjahr 1940 an. Nach dem Krieg war er zunächst Mitglied der Leibgarde des Königs. Wenig später gründete er die Fa. Max Manus A/S, ein führendes Unternehmen im Bereich der Spracherkennungs- und Sprachaufzeichnungssysteme. Manus schrieb die zwei Bücher "Det vil helst gå godt" (1945) und "Det blir alvor" (1980), die auch Grundlage für den 2008 produzierten Film von Joachim Rønning und Espen Sandberg waren. In Norwegen wurde "Max Manus" zu einem der meist besuchten Kinofilme des Landes. Am 11.2.2010 lief der Film auch in deutschen Kinos an.

Der 1939 geschlossene Hitler-Stalin-Pakt wies Finnland der sowjetischen Interessensphäre zu. Der Angriff der Sowjetunion auf Finnland am 30. November 1939 bildete den Auftakt für den Winterkrieg. Trotz zahlreicher erfolgreicher Abwehrschlachten stand die Verteidigung vor dem Zusammenbruch, als der Krieg am 13. März 1940 durch den Friedensvertrag von Moskau beendet wurde. Finnland musste grosse Teile Kareliens, darunter mit Wyborg die damals zweitgrösste Stadt des Landes, und andere Gebiete an die Sowjetunion abtreten.

Der Film beginnt mit kurzen Ausschnitten aus Manus Teilnahmen am Krieg Finnlands gegen die Sowjetunion. 1939 hatten Hitler und Stalin in dem berüchtigten "Nichtangriffspakt" ihre "Interessengebiete" aufgeteilt. Am 30.11.1939 überfiel die Rote Armee Finnland, das sich heftig wehrte, aber trotz allem durch den "Friedensvertrag" von Wyborg im März 1940 gezwungen wurde, grosse Teile Kareliens an die Sowjetunion abzutreten. Diese Teilnahme von Manus am Verteidigungskrieg der Finnen zeigt der Film immer wieder in kurzen Flashbacks, da sie das Handeln von Manus stark beeinflusst hatte.

Der Film zeigt im folgenden einige wichtige Stationen des Eintritts von Manus und seiner Gruppe, genannt "Oslobande", in den norwegischen Widerstand gegen die deutschen Okkupanten bis zum Kriegsende.
Zusammen mit seinem wohl besten Freund, Gregers Gram, und Kolbein Lauring, Gunnar Sønsteby, Edvard Tallaksen, Roy Nilsen u.a. versucht die Gruppe zunächst, durch illegal gedruckte und verteilte Zeitungen und Flugblätter auch anderen für den Widerstand zu gewinnen. Doch schnell merkt man, dass dies nicht ausreicht. Durch Rechtsanwalt Hauge nimmt die Gruppe Verbindung nach Grossbritannien auf. Unvorsichtigkeiten und geringe Erfahrungen im Widerstand führen am 16.2.1941 zur Festnahme von Manus, der allerdings – nachdem er sich der Gestapo durch einen Sprung aus dem Fenster zu entziehen versucht hatte – mit Hilfe auch von Krankenhauspersonal aus dem Spital fliehen kann.

Manus gelangt nach Schottland ins Forest Lodge Army Training Camp und wird Mitglied der dort ausgebildeten norwegischen Einheit. Hier lernt er Gregers Gram kennen. Nachdem die Gruppe zurück in Oslo mehrere Plastiksprengsätze an deutschen Schiffen angebracht hat, die allerdings nur teilweise ihren Zweck erfüllen, fliehen Gram und Manus nach Stockholm. Dort lernt Manus seine spätere Frau, Ida Nikoline Lindebræke, genannt "Tikken", kennen, die zu dieser Zeit noch mit einem Diplomaten verheiratet ist.

1943 werden etliche Widerstandskämpfer von den Deutschen festgenommen. Manus und Gram wollen verhindern, dass die Deutschen 70.000 Norweger zwangsrekrutieren, um sie an die Ostfront zu schicken.

Immer wieder pendeln Manus und seine Leute zwischen Schweden und Norwegen. Nur knapp entkommt Manus bei einem Strassengefecht den Deutschen. Im November 1944 werden wiederum mehrere Mitglieder der "Oslobande" festgenommen bzw. getötet. Manus jedoch hält am Widerstand fest. Er will verhindern, dass die Deutschen ihre Truppen aus Norwegen abziehen, um sie in Frankreich im Kampf gegen die Alliierten einzusetzen. Er plant, das Motorschiff "Donau" in die Luft zu sprengen.

Der deutschen Abwehr unter Führung von Siegfried Fehmer gelingt es nicht, Manus zu erwischen ...

"Max Manus" reicht filmisch, dramaturgisch, technisch durchaus an internationale Produktionen heran. Der Film schildert in knapp zwei Stunden einen teilweise sehr spannenden Ausschnitt aus dem norwegischen Widerstand, zugespitzt auf die Person von Manus und seines besten Freundes Gregers Gram. Die Szenen, in denen die "Oslobande" zu sehen ist, konterkarieren die Regisseure mit anderen, in denen Fehmer und seine Leute versuchen, den norwegischen Widerstand zu brechen. Fehmer wird zwar als skrupelloses Werkzeug der faschistischen Maschinerie gezeigt; aber nie wirkt dies (absichtlich) übertrieben. Gerade hier liegt eine Stärke des Films: seine Sachlichkeit, fast Nüchternheit.
Auf der anderen Seite feiert man Manus und die "Oslobande" durchaus als mutige, heldenhafte Männer. Aber auch hier handelt es sich nicht um eine mit nationalem Pathos versehene übertriebene Heldenverehrung. Zweimal im Film heisst es "Für König und Vaterland". Doch Rønning und Sandberg legen mehr Wert darauf, uns die Person dieses wirklich mutigen Mannes und der anderen Mitglieder der "Oslobande" nach zu bringen. Das gelingt.

Aksel Hennie erreicht es, in seiner Darstellung des Widerstandskämpfers Manus die Balance zu wahren. Hennie zeigt einen durchaus in manchen Abschnitten des Widerstands emotional bewegten, manchmal (insbesondere nach dem Tod seines Freunds Gram) zu falschen Entscheidungen neigenden Manus. Entgegen anders lautender Meinungen wird im Film auch die Frage thematisiert, ob bestimmte Widerstandsaktionen möglicherweise oder sicher zu Racheakten und Erschiessungen norwegischer Zivilisten durch die Deutschen führen könnten und man daher darauf verzichten sollte. Eine Konsequenz dieser Diskussionen in der Gruppe ist, dass man sich bei einem Sprengstoffanschlag britische Uniformen anzieht, um die faschistischen Okkupanten zu täuschen und Racheaktionen zu verhindern.

Der Film zeigt auch die permanente Getriebenheit der Widerstandskämpfer, hervorgerufen durch das enorme Risiko ihrer Festnahme und Ermordung, und gerade hier ist der Streifen akkurat und ehrlich. Auch wenn man es kaum nachvollziehen kann, handelte es sich um Menschen, die ihr eigenes Leben wirklich bereit waren zu opfern.

Der Film zeigt die Folgen dieser permanenten, jahrelangen Belastung auch gegen Ende des Films, am Ende des Krieges und der Besatzung. Manus bricht förmlich zusammen.

Was mir persönlich an dem Film fehlte, war eine stärkere Einordnung der gezeigten Geschehnisse in den Kontext des Krieges insgesamt. Von der norwegischen Gesellschaft und den Auswirkungen der Besatzung auf sie, einzelne Gruppen, Organisationen usw. ist im Film nichts oder kaum etwas zu sehen. Das mag daran liegen, dass dies in der heutigen norwegischen Gesellschaft weitgehend im Bewusstsein verankert ist. Für mich ist dies auch weniger ein Kritikpunkt (man kann sich darüber anderweitige informieren), denn ein "nachträglicher Wunsch".

Schliesslich zeigt der Film auch, wie notwendig der bewaffnete Widerstand gegen eine ganz Europa überziehende Aggressionsmaschine und ihre Brutalität war. Zumindest aber kann er Diskussionen über diese Frage (Mittel, Formen des Widerstands; unter welchen Bedingungen wie; Grenzen usw.) durchaus auslösen.

Insgesamt kann "Max Manus" jedenfalls überzeugen. Wer sich für diesen Aspekt der Geschichte interessiert, ist mit dem Film gut bedient.

Ulrich Behrens

Max Manus

Norwegen

2008

-

118 min.

Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg

Drehbuch: Thomas Nordseth-Tiller

Darsteller: Aksel Hennie, Agnes Kittelsen, Nicolai Cleve Broch

Produktion: John M. Jacobsen, Sveinung Golimo

Musik: Trond Bjerknæs

Kamera: Geir Hartly Andreassen

Schnitt: Anders Refn